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NATURE MORGANA

Die Geografie ist dekorativ, das wissen Generationen von Naturfotografen. Je nach Perspektive verwandeln sich Felder, Berge und Flüsse in grafische Strukturen, die sich ansprechend in Szene setzen lassen. Fragt sich nur: Will man eine weitere Winterlandschaft sehen, die aussieht wie eine futuristische Filmkulisse? Braucht man noch mehr Meermotive, wo der Ozean den Appeal monochromer Avantgardekunst hat? Ist das nicht alles schon sehr konventionell in seiner stilistischen Ambition?

Die Bilder von Carl Finkbeiner und Frieder Salm setzen genau da an: Sie verunsichern den Look der Hochglanzmagazine, mit dem sie kokettieren, mit dem einfachen Mittel der Spiegelung und Reihung. So wird aus romantischen Szenarien – eine Dünenlandschaft, ein Winterwald, Rapsfelder – eine Welt optischer und intellektueller Verunsicherung.

Die zum Horizont hinströmenden Mooswellen erscheinen als unheimlicher Organismus, der droht, die Welt zu überziehen. Ein verdoppeltes Bergmassiv steht da wie ein unheimliches Portal, als mythische Schwelle hin zum Unbekannten. Vereiste Felder wirken wie ein Rüstungsharnisch aus düsteren Sagen; ein Dünenfeld zerschmilzt in einer verstörend erotischen Körperlichkeit, die keinen Anfang und kein Ende kennt. Das Figurative dieser Darstellungen ist durchzogen vom Rätsel – das macht ihren hohen Anspruch aus.

Daniel Haas, ” Zeit / Spiegel online”